Werden Lohnbuchhalter durch KI ersetzt? Was die Daten zeigen
Der Job-Futuromat des IAB stuft die Kernaufgaben von Lohnbuchhaltern als technisch ersetzbar ein, bei Steuerfachangestellten die Hälfte. Was diese Werte bedeuten, was Software heute leistet und was das für die Ausbildung heißt.
Lohnbuchhalter werden nach den vorliegenden Daten nicht ersetzt, ein Teil ihrer Arbeitsschritte wird aber automatisiert. Der Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stuft bei Lohn- und Gehaltsbuchhaltern 100 Prozent der Kernaufgaben als technisch ersetzbar ein, bei Steuerfachangestellten 50 Prozent. Diese Werte beschreiben, was Computer technisch übernehmen könnten, und sind ausdrücklich keine Prognose über Arbeitsplätze. Prüfung, Sonderfälle, Beratung und die Verantwortung für richtige Abrechnungen liegen weiter beim Menschen.
Was misst der Job-Futuromat?
Das IAB prüft für knapp 4.000 Einzelberufe, welche ihrer Kernaufgaben ein Computer oder eine computergesteuerte Maschine vollautomatisch erledigen könnte. Der Anteil dieser Aufgaben heißt Substituierbarkeitspotenzial. Die im Kurzbericht 05/2024 veröffentlichte Auswertung beruht auf dem Stand der Technik von 2022, in den nach Angaben des IAB auch die Möglichkeiten generativer KI eingeflossen sind. So sehen die Werte für Berufe rund um die Steuerkanzlei aus (Abruf Oktober 2026):
| Beruf im Job-Futuromat | Substituierbarkeitspotenzial |
|---|---|
| Lohn- und Gehaltsbuchhalter/in | 100 % |
| Fachassistent/in Lohn und Gehalt | 100 % |
| Buchhalter/in | 100 % |
| Fachwirt/in - Steuer | 80 % |
| Steuerberater/in | 62 % |
| Steuerfachangestellte/r | 50 % |
Die Bundesagentur für Arbeit erklärt zu dieser Kennzahl, dass sie die Ersetzbarkeit einzelner Tätigkeiten betrachtet und keine Aussage darüber trifft, ob ein Beruf verschwindet. Ob eine Tätigkeit in der Praxis automatisiert wird, hängt auch von Kosten, Recht und Organisation ab. Das IAB selbst schreibt im Kurzbericht 05/2024, dass solche Potenziale in der Vergangenheit nicht immer und nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Bundesweit arbeiteten 2022 rund 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen, in denen mindestens 70 Prozent der Tätigkeiten ersetzbar wären, 2019 waren es 34 Prozent.
Bei Steuerfachangestellten lag der Wert früher ebenfalls bei 100 Prozent. Nach Auskunft des IAB gegenüber Haufe sank er auf 50 Prozent, weil die 2023 geänderte Ausbildungsordnung neue Aufgaben wie Mandantenbetreuung und Beratung enthält. Diese Tätigkeiten stuft der Job-Futuromat als nicht ersetzbar ein. Ein höherer Abschluss senkt den Wert nicht von selbst. Für den Fortbildungsberuf Steuerfachwirt weist das Tool 80 Prozent aus. Der Wert hängt davon ab, wie viele der Kernaufgaben eines Berufs ein Programm übernehmen könnte und wie viele Gespräch, Beratung und Urteil verlangen.
Was Software in Buchhaltung und Lohn heute übernimmt
In der Finanzbuchhaltung ist die Automatisierung am weitesten. DATEV bietet seit 2021 den Automatisierungsservice Rechnungen an. Er liest Belege aus, die Unternehmen hochladen, erkennt Geschäftspartner und Sachverhalt und schlägt passende Buchungen vor. Rechnungen mit unterschiedlichen Steuersätzen teilt er auf. Nach Angaben von DATEV nutzten ihn im August 2025 rund 7.000 Kanzleien für mehr als 100.000 Buchführungen, im Monat entstehen im Schnitt mehr als 7,5 Millionen Buchungsvorschläge. Seit August 2024 gibt es zusätzlich einen Automatisierungsservice für Bankbuchungen, den nach etwa einem Jahr rund 5.000 Kanzleien für etwa 50.000 Buchführungen einsetzten. Mit strukturierten E-Rechnungen werden die Vorschläge nach Angaben von DATEV deutlich besser als mit eingescannten Papierbelegen.
In der Lohnabrechnung laufen viele Datenflüsse elektronisch. Arbeitgeber rufen die Lohnsteuerabzugsmerkmale ihrer Beschäftigten, etwa die Steuerklasse, beim Bundeszentralamt für Steuern ab und fragen sie monatlich neu ab (§ 39e EStG). Arbeitsunfähigkeitszeiten stellen die Krankenkassen zum elektronischen Abruf bereit (§ 109 SGB IV). Die Berechnung von Brutto, Netto, Steuern und Beiträgen übernimmt das Abrechnungsprogramm. Erfassen und Prüfen nehmen damit einen größeren Teil der Arbeit ein.
Was beim Menschen bleibt
Die Prüfung. DATEV kennzeichnet die Buchungsvorschläge in der Belegübersicht als sicher, unsicher oder unvollständig. Die Kanzlei entscheidet, ob sichere Vorschläge automatisch gebucht werden. Auch dann empfiehlt DATEV auf seiner Produktseite, die Buchführung wie gewohnt zu prüfen.
Die Verantwortung. Der Arbeitgeber haftet für die Lohnsteuer, die er einbehalten und abführen muss (§ 42d EStG). Steuerberater müssen ihren Beruf eigenverantwortlich und gewissenhaft ausüben (§ 57 StBerG). Diese Pflichten bleiben bei Arbeitgeber und Berater, auch wenn ein Programm rechnet. Wer in der Kanzlei abrechnet, arbeitet ihnen zu.
Die Sonderfälle. Der Job-Futuromat stuft auch Sozialversicherungsrecht und Arbeitsrecht bei Lohnbuchhaltern als technisch ersetzbar ein. Ein Programm kann Regeln aber nur auf den Sachverhalt anwenden, der eingegeben wurde. Ob jemand als Minijobber, Werkstudent oder sozialversicherungspflichtig beschäftigt wird, ob eine Tätigkeit eine Beschäftigung oder Selbstständigkeit ist und welche Zuschläge ein Tarifvertrag vorsieht, muss vorher jemand mit dem Mandanten klären und richtig einordnen.
Die Beratung. Für Steuerfachangestellte führt der Job-Futuromat Kundenberatung und -betreuung, Steuerberatung und Bilanzpolitik als nicht ersetzbare Tätigkeiten. Das IAB weist im Kurzbericht 05/2024 zudem darauf hin, dass auch generative KI bisher nicht systematisch argumentieren und Zusammenhänge erkennen kann.
Was das für die Ausbildung bedeutet
Die Ausbildungsordnung für Steuerfachangestellte trägt dem Wandel Rechnung. Zu den Pflichtinhalten gehören seit 2023 „Digitalisierte Arbeitswelt“ und „Digitale Geschäftsprozesse umsetzen“, außerdem die Vorbereitung der Mandantenberatung und die Kommunikation mit internen und externen Ansprechpartnern (§ 4 StFachAngAusbV). Entgeltabrechnung und Buchführung bleiben Pflichtinhalte.
Auch der Arbeitsmarkt spricht nicht für einen schrumpfenden Beruf. In der Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit sind Berufe in der Steuerberatung auf allen drei bewerteten Anforderungsniveaus Engpassberufe. Eine gemeldete Stelle für Fachkräfte blieb im Mittel 118 Tage offen. Wie sich das für reine Lohnbuchhalter darstellt, steht im Beitrag Lohnbuchhalter werden.
So bereiten Sie sich vor
- Grundlagen sicher beherrschen: Wer Buchungsvorschläge oder Abrechnungen prüfen soll, muss die Regeln dahinter kennen, von Buchungssätzen über Lohnsteuer bis zur Sozialversicherung.
- Mit der Software arbeiten lernen: Üben Sie mit den Programmen, die Kanzleien einsetzen. Einen Einstieg bietet der Beitrag DATEV lernen.
- Gespräche üben: Rückfragen an Mandanten zu stellen und Ergebnisse verständlich zu erklären, wird wichtiger.
- Weiterbildung planen: Fortbildungen wie Fachassistent Lohn und Gehalt oder Steuerfachwirt vertiefen die Teile der Arbeit, die Fachwissen und Urteil verlangen.
- Im Vorstellungsgespräch fragen, wie die Kanzlei Belege erfasst und welche Automatisierungen sie nutzt.
Digitale Arbeit bei Dietrich, Süß & Jaschke
Dietrich, Süß & Jaschke ist eine DATEV-Kanzlei und arbeitet mit DATEV Unternehmen online und Arbeitnehmer online. In der Ausschreibung für Steuerfachangestellte erwarten wir, dass Sie den digitalen Wandel in der Buchhaltung aktiv mitgestalten. Als Werkstudent arbeiten Sie an der Digitalisierung und Automatisierung steuerlicher Prozesse mit. Die Kurzbewerbung für beide Stellen finden Sie auf der Karriereseite.
Häufige Fragen
Werden Lohnbuchhalter durch KI ersetzt?
Nach den vorliegenden Daten verschwindet der Beruf nicht, er verändert sich. Das IAB hält die Kernaufgaben von Lohn- und Gehaltsbuchhaltern zwar für technisch ersetzbar, betont aber, dass solche Potenziale in der Vergangenheit nicht immer ausgeschöpft wurden. Prüfung, Sonderfälle und Verantwortung bleiben beim Menschen.
Wie hoch ist das Automatisierungsrisiko für Steuerfachangestellte?
Der IAB Job-Futuromat weist für Steuerfachangestellte ein Substituierbarkeitspotenzial von 50 Prozent aus (Abruf Oktober 2026). Früher lag der Wert bei 100 Prozent, er sank nach der neuen Ausbildungsordnung von 2023 mit mehr Beratungsanteilen.
Was kann KI in der Buchhaltung heute?
Sie liest Belege aus, erkennt Geschäftspartner und schlägt Buchungen vor. Bei DATEV nutzen nach Angaben des Unternehmens rund 7.000 Kanzleien einen solchen Service für mehr als 100.000 Buchführungen (Stand August 2025). Die Vorschläge werden als sicher, unsicher oder unvollständig gekennzeichnet und sollen weiter geprüft werden.
Lohnt sich die Ausbildung zur Steuerfachangestellten trotz KI?
Berufe in der Steuerberatung sind laut Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit Engpassberufe, eine gemeldete Stelle für Fachkräfte blieb im Mittel 118 Tage offen. Die Ausbildungsordnung legt seit 2023 mehr Gewicht auf Beratung, Kommunikation und digitale Geschäftsprozesse.
Quellen
- 1. Job-Futuromat (Steuerfachangestellte/r, Lohn- und Gehaltsbuchhalter/in, Buchhalter/in, Steuerberater/in) · Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) · Stand abgerufen Oktober 2026
- 2. IAB-Kurzbericht 05/2024: Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt · Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) · Stand 2024
- 3. IAB-Substituierbarkeitspotenzial 2022 - Methodische Hinweise · Statistik der Bundesagentur für Arbeit · Stand Oktober 2026
- 4. Was der Job-Futuromat über die Zukunft der Steuerberatung sagt · Haufe · Stand August 2026
- 5. KI reduziert manuellen Aufwand beim Buchen (Presseinformation) · DATEV eG · Stand September 2025
- 6. DATEV Automatisierungsservice Rechnungen · DATEV eG · Stand Oktober 2026
- 7. Fachbeitrag DATEV Automatisierungsservice Bank · DATEV eG · Stand Oktober 2026
- 8. § 39e Einkommensteuergesetz - Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
- 9. § 109 SGB IV - Meldung der Arbeitsunfähigkeits- und Vorerkrankungszeiten an den Arbeitgeber · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
- 10. § 42d EStG - Haftung des Arbeitgebers · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
- 11. § 57 Steuerberatungsgesetz - Allgemeine Berufspflichten · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
- 12. § 4 Steuerfachangestellten-Ausbildungsverordnung - Ausbildungsberufsbild · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
- 13. Fachkräfteengpassanalyse 2025 (Bericht und Tabellen Deutschland) · Statistik der Bundesagentur für Arbeit · Stand Mai 2026
Der Beitrag gibt den allgemeinen Rechtsstand zum angegebenen Datum wieder und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Er ist ein Beispieltext für die Demo-Website und wurde von der Kanzlei noch nicht freigegeben.
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