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Bewerbung 12. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Vorstellungsgespräch in der Steuerkanzlei: Fragen und Vorbereitung

Welche Fachfragen Kanzleien stellen, mit welchen Zahlen Sie für Oktober 2026 sicher antworten und welche Fragen Sie selbst mitbringen sollten.

Im Vorstellungsgespräch in einer Steuerkanzlei geht es in der Regel um Ihre Fachgrundlagen in Buchführung, Jahresabschluss, Lohn und Umsatzsteuer, um Ihre Erfahrung mit DATEV und darum, wie Sie mit Fristen und Mandanten arbeiten. Rechnen Sie mit kurzen Praxisfragen, etwa zum Regelsteuersatz von 19 Prozent oder zur Frist der Umsatzsteuer-Voranmeldung am zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums. Bereiten Sie außerdem eigene Fragen an die Kanzlei vor und legen Sie Ihre Zeugnisse bereit.

Welche Fachfragen kommen im Vorstellungsgespräch?

Fachfragen im Gespräch prüfen in der Regel, ob Sie die Grundregeln sicher kennen und wissen, wo Sie nachschlagen. Paragrafen müssen Sie dafür nicht auswendig kennen. Wenn Sie die geltenden Grenzen nennen können, zeigen Sie, dass Sie sich mit dem Stand 2026 beschäftigt haben. Die folgende Übersicht enthält Werte aus Abschluss, Lohn und Umsatzsteuer, die sich zur Vorbereitung eignen, jeweils mit Stand Oktober 2026.

BereichMögliche FrageStand Oktober 2026
UmsatzsteuerWelche Steuersätze gelten?19 % Regelsatz, 7 % ermäßigt; Speisen in Restaurants seit 1. Januar 2026 mit 7 %, Getränke 19 %
UmsatzsteuerWann ist man Kleinunternehmer?Vorjahresumsatz höchstens 25.000 € und im laufenden Jahr höchstens 100.000 €
UmsatzsteuerBis wann ist die Voranmeldung fällig?Bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums; monatlich, wenn die Steuer im Vorjahr mehr als 9.000 € betrug
LohnWann sind Lohnsteuer und Sozialversicherung fällig?Lohnsteuer-Anmeldung bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Anmeldungszeitraums; Beiträge am drittletzten Bankarbeitstag des Monats
LohnWo liegen Minijob- und Übergangsbereich?Minijob bis 603 € im Monat, Übergangsbereich bis 2.000 €; Mindestlohn 13,90 € je Stunde, ab 2027 14,60 €
AbschlussWas gilt für geringwertige Wirtschaftsgüter?Sofortabzug bis 800 € netto; alternativ Sammelposten für 250 bis 1.000 €, aufgelöst über fünf Jahre
AbschlussWie lange werden Unterlagen aufbewahrt?Bücher und Jahresabschlüsse zehn Jahre, Buchungsbelege acht Jahre, Geschäftsbriefe sechs Jahre
FristenBis wann gibt die Kanzlei Steuererklärungen ab?Mit Steuerberater bis zum letzten Tag im Februar des zweiten Folgejahres, ohne Berater sieben Monate nach Jahresende

Ein Thema mit festen Stichtagen ist die E-Rechnung. Für Umsätze bis Ende 2026 dürfen Rechnungen mit Zustimmung des Empfängers noch auf Papier oder in einem anderen elektronischen Format ausgestellt werden. Für 2027 gilt diese Übergangsregel nur noch für Unternehmen mit höchstens 800.000 Euro Vorjahresumsatz. Überlegen Sie vorab, was das für die Belege eines Handwerksbetriebs bedeutet.

Wie wird nach DATEV gefragt?

Bei DATEV zählt, mit welchen Programmen Sie schon gearbeitet haben und wie selbstständig. Nennen Sie konkret, ob Sie in Kanzlei-Rechnungswesen gebucht und Abschlüsse vorbereitet, in Lohn und Gehalt oder LODAS abgerechnet oder Belege über Unternehmen online bearbeitet haben. Wenn Sie ein DATEV-Zertifikat haben, etwa „DATEV-Anwender Finanzbuchführung” oder „DATEV-Anwender Lohn und Gehalt”, gehört es in die Unterlagen. Wie Sie fehlende Kenntnisse aufholen, steht im Beitrag DATEV lernen.

Wie fragen Kanzleien nach Ihrer Arbeitsweise?

Fragen zur Arbeitsweise können sich in einer Kanzlei um Fristen, Sorgfalt und den Umgang mit Mandanten drehen. Denkbar sind Fragen wie diese: Wie organisieren Sie sich, wenn mehrere Voranmeldungen am selben Tag fällig sind? Was tun Sie, wenn ein Mandant Belege zu spät liefert? Wie gehen Sie mit einem Fehler um, den Sie selbst bemerkt haben?

Antworten Sie mit einem Beispiel aus Ihrer Praxis und sagen Sie, was Sie konkret getan haben. Eine gute Antwort zeigt, dass Sie Fristen früh im Blick haben, bei Unklarheiten nachfragen und Fehler offen ansprechen, bevor sie beim Finanzamt landen. Kommen Sie direkt aus der Ausbildung, eignen sich Beispiele aus dem Berufsschulalltag oder der Prüfungsvorbereitung.

Welche Fragen sollten Sie der Kanzlei stellen?

Ihre eigenen Fragen zeigen, ob Sie sich mit dem Arbeitsplatz befasst haben, und sie helfen Ihnen bei der Entscheidung. Diese fünf Themen eignen sich dafür.

  • Mandantenstruktur: Welche Branchen und Rechtsformen betreut die Kanzlei, wie groß sind die Mandate, wie viele davon würden Sie selbst betreuen?
  • Einarbeitung: Wer arbeitet Sie ein, wie lange dauert das, ab wann übernehmen Sie eigene Mandate?
  • Fristzeiten: Wie verteilt sich die Arbeit über das Jahr, wie werden Spitzen vor Abgabeterminen aufgefangen, wie werden Überstunden ausgeglichen?
  • Fortbildung: Unterstützt die Kanzlei Fortbildungen wie den Steuerfachwirt oder den Fachassistenten Lohn und Gehalt, etwa mit Freistellung oder Kostenbeteiligung?
  • Software: Mit welchen DATEV-Programmen wird gearbeitet, wie digital laufen Belege und Lohnunterlagen? DATEV hat angekündigt, dass für das cloudbasierte DATEV Rechnungswesen 2027 eine Pilotphase mit wenigen ausgewählten Kanzleien startet. Die Frage, wie sich die Kanzlei darauf vorbereitet, ist berechtigt.

Gehalt, Arbeitszeit und Homeoffice dürfen Sie ebenfalls ansprechen. Weitere Marktwerte für München finden Sie im Beitrag Steuerfachangestellte Gehalt in München.

Wie beantworten Sie die Frage nach dem Gehalt?

Nennen Sie eine Zahl als Jahresbrutto und begründen Sie sie mit Erfahrung, Aufgaben und Fortbildungen. Als Orientierung dient der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. Für Steuerfachangestellte in Vollzeit lag der Median zum Stichtag 31.12.2025 in Bayern bei 3.795 Euro und in München bei 4.664 Euro brutto im Monat. Für Beschäftigte unter 25 Jahren in Bayern waren es 3.232 Euro. Der Median ist der mittlere Wert, die Hälfte verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Vergleichbar werden zwei Angebote erst mit Sonderzahlungen, Zuschüssen und Wochenstunden, fragen Sie danach.

Probearbeiten: worauf sollten Sie achten?

Achten Sie darauf, Dauer, Aufgaben und Vergütung vorher schriftlich oder per Mail zu klären. Ob es überhaupt einen Probearbeitstag gibt, entscheidet die Kanzlei. Fragen Sie auch, ob Sie mit echten Mandantendaten arbeiten. Steuerberater müssen Personen, die in ihrer Praxis mitwirken, auch in Ausbildung oder bei Hilfstätigkeiten, nach § 62 StBerG in Textform zur Verschwiegenheit verpflichten. Sehen Sie echte Mandantendaten, ist eine solche Erklärung daher zu erwarten.

Nutzen Sie den Tag, um zu sehen, wie das Team arbeitet. Achten Sie darauf, wie Rückfragen beantwortet werden, wie die Arbeitsplätze ausgestattet sind und ob Abläufe schriftlich geregelt sind.

Welche Unterlagen gehören zur Bewerbung?

Für eine Stelle als Steuerfachangestellte oder Steuerfachangestellter sind diese Unterlagen sinnvoll:

  • ein Lebenslauf mit Stationen, Mandatsarten und Programmen, mit denen Sie gearbeitet haben
  • das Zeugnis der Abschlussprüfung zur oder zum Steuerfachangestellten, bei Berufserfahrung die Arbeitszeugnisse
  • Nachweise über Fortbildungen und DATEV-Zertifikate, falls vorhanden
  • ein kurzes Anschreiben, wenn Sie einen Wechselgrund oder eine Lücke erklären möchten

Bringen Sie die Unterlagen auch zum Gespräch mit, dazu eine Liste Ihrer Fragen und Notizen zu den Zahlen aus der Tabelle oben.

Was Sie vor dem Termin tun sollten

  1. Lesen Sie die Website der Kanzlei: Leistungen, Mandantengruppen, Software, Personen.
  2. Gehen Sie die Tabelle mit den Werten für 2026 durch und prüfen Sie, ob Sie jede Zeile in zwei Sätzen erklären können.
  3. Notieren Sie zwei oder drei Beispiele aus Ihrer Praxis, an denen Sie Ihre Arbeitsweise zeigen.
  4. Legen Sie Ihre Gehaltsvorstellung fest und begründen Sie sie mit Erfahrung und Aufgaben.
  5. Schreiben Sie Ihre Fragen zu Mandanten, Einarbeitung, Fristzeiten, Fortbildung und Software auf.

Wie ein Gespräch im Einzelfall abläuft, unterscheidet sich von Kanzlei zu Kanzlei. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie bei der Einladung nach Dauer und Gesprächspartnern.

Bewerbung bei Dietrich, Süß & Jaschke

Dietrich, Süß & Jaschke ist eine Steuerberater-PartGmbB in München mit drei Steuerberatern als Partnern. Wir arbeiten als DATEV-Kanzlei mit Unternehmen online und Arbeitnehmer online und betreuen Freiberufler, Handwerks-, Produktions-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen sowie Privatpersonen. Ausgeschrieben sind zwei Stellen: Steuerfachangestellte (m/w/d) für Lohn- und Finanzbuchführung, Jahresabschlüsse und Steuererklärungen sowie Werkstudent (m/w/d), beide mit flexiblen Arbeitszeiten.

Häufige Fragen

Welche Fragen werden im Vorstellungsgespräch in der Steuerkanzlei gestellt?

Rechnen Sie mit kurzen Fachfragen zu Buchführung, Jahresabschluss, Lohn und Umsatzsteuer, mit Fragen zu Ihrer Erfahrung mit DATEV und mit Fragen dazu, wie Sie mit Fristen und Mandanten umgehen. Wie das Gespräch abläuft, legt die Kanzlei selbst fest.

Welche Umsatzsteuersätze sollte man im Vorstellungsgespräch kennen?

Der Regelsteuersatz beträgt 19 Prozent, der ermäßigte Satz 7 Prozent. Seit dem 1. Januar 2026 gilt der ermäßigte Satz auch für Speisen in Restaurants, Getränke bleiben bei 19 Prozent.

Was sollte man die Steuerkanzlei im Vorstellungsgespräch fragen?

Fragen Sie nach der Mandantenstruktur, nach Ablauf und Dauer der Einarbeitung, nach der Arbeitslast in den Fristzeiten, nach Fortbildungen wie Steuerfachwirt oder Fachassistent und danach, mit welchen DATEV-Programmen die Kanzlei arbeitet.

Muss man zum Probearbeiten in die Steuerkanzlei?

Das entscheidet die Kanzlei. Wird Ihnen ein Probearbeitstag angeboten, klären Sie vorher Dauer, Aufgaben, Vergütung und ob Sie mit echten Mandantendaten arbeiten.

Quellen

  1. 1. § 12 UStG, Steuersätze · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  2. 2. Reduzierter Mehrwertsteuersatz für Speisen in der Gastronomie · IHK Darmstadt Rhein Main Neckar · Stand Oktober 2026
  3. 3. § 19 UStG, Besteuerung der Kleinunternehmer · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  4. 4. § 18 UStG, Besteuerungsverfahren · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  5. 5. § 27 UStG, Allgemeine Übergangsvorschriften (Abs. 38, E-Rechnung) · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  6. 6. § 41a EStG, Anmeldung und Abführung der Lohnsteuer · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  7. 7. § 23 SGB IV, Fälligkeit · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  8. 8. Studium zählt für die Rente (Minijob 603 Euro, Übergangsbereich bis 2.000 Euro) · Deutsche Rentenversicherung · Stand Oktober 2026
  9. 9. Mindestlohn jetzt bei 13,90 Euro · Presse- und Informationsamt der Bundesregierung · Stand Oktober 2026
  10. 10. Entgeltatlas: Steuerfachangestellte (KldB 72302), Daten zum 31.12.2025 · Bundesagentur für Arbeit · Stand Oktober 2026
  11. 11. § 6 EStG, Bewertung (Abs. 2 und 2a, geringwertige Wirtschaftsgüter) · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  12. 12. § 147 AO, Ordnungsvorschriften für die Aufbewahrung von Unterlagen · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  13. 13. § 149 AO, Abgabe der Steuererklärungen · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  14. 14. § 62 StBerG, Verschwiegenheitspflicht bei Inanspruchnahme von Dienstleistungen und mitwirkenden Personen · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  15. 15. Der Weg in die Cloud: FAQ (cloudbasiertes DATEV Rechnungswesen) · DATEV eG · Stand Oktober 2026
  16. 16. Nachweise der DATEV-Bildungspartnerschaft · DATEV eG · Stand Oktober 2026
Verfasst von Dietrich, Süß & Jaschke · Stand 12. Oktober 2026

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