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Berufsbild 12. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Steuerfachangestellte in Industrie oder Kanzlei: der Unterschied

Was Steuerfachangestellte in einer Kanzlei und in der Rechnungswesenabteilung eines Unternehmens erwartet, was die Zahlen der Bundesagentur zum Gehalt sagen und wie sich die Ausbildung zur Industriekauffrau unterscheidet.

Steuerfachangestellte arbeiten vor allem in Steuerkanzleien, die Bundesagentur für Arbeit nennt aber auch Fachabteilungen größerer Unternehmen wie Buchhaltung, Rechnungswesen oder Personalabrechnung. In der Kanzlei betreuen Sie viele Mandanten aus verschiedenen Branchen und arbeiten nach festen steuerlichen Fristen. Im Unternehmen kennen Sie einen Betrieb sehr genau und arbeiten nach dessen Monats- und Jahresabschluss. Beim Gehalt zeigt der Entgeltatlas für Steuerfachangestellte im produzierenden Gewerbe einen Median von 4.621 Euro, in den wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen Kanzleien gehören, von 3.627 Euro brutto im Monat (bundesweit, Stichtag 31.12.2025).

Was machen Steuerfachangestellte in der Kanzlei?

In der Kanzlei bearbeiten Sie Buchführung, Lohnabrechnungen, Jahresabschlüsse und Steuererklärungen für mehrere Mandanten. Am selben Tag können eine Lohnabrechnung für einen Handwerksbetrieb und eine private Einkommensteuererklärung anstehen. Diese Breite ist der Kern des Berufs, wie ihn die Ausbildungsordnung beschreibt: Buchführung nach Handels- und Steuerrecht, Entgeltabrechnung, Abschlüsse, Steuererklärungen und die Prüfung von Steuerbescheiden.

Der Takt kommt von außen. Umsatzsteuer-Voranmeldungen sind bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums zu übermitteln, bei monatlichem Voranmeldungszeitraum also jeden Monat. Steuererklärungen, die ein Steuerberater erstellt, sind bis zum letzten Tag im Februar des zweiten Folgejahres fällig. Wer gern viele verschiedene Fälle sieht und mit Mandanten spricht, findet hier das breitere Feld.

Was ändert sich in der Industrie?

Im Unternehmen arbeiten Sie für einen einzigen Betrieb, dafür tiefer in dessen Zahlen. Je nach Größe und Aufbau des Unternehmens kümmern Sie sich um Kreditoren- oder Debitorenbuchhaltung, um Lohn, um die Umsatzsteuer oder um Zuarbeit für den Abschluss. Arbeitet das Unternehmen mit einer externen Kanzlei, sind Sie deren Ansprechperson im Haus und bereiten Unterlagen für Abschluss und Steuererklärungen vor.

Der Fristdruck ist anders verteilt. Die gesetzlichen Termine für Voranmeldung und Lohnsteuer bleiben, hinzu kommen interne Termine für Monatsabschluss und Berichte. Ihre Ansprechpartner sitzen im eigenen Haus, etwa in Einkauf, Vertrieb und Geschäftsführung. Wer lieber ein Unternehmen über Jahre begleitet, kann sich hier wohler fühlen.

Verdient man als Steuerfachangestellte in der Industrie mehr?

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen in der Industrie höhere Medianwerte, sie vergleichen aber keine identischen Stellen. Der Entgeltatlas weist den Median der monatlichen Bruttoentgelte sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigter aus, hier zum Stichtag 31.12.2025.

Berufsgruppe (Entgeltatlas)RegionBrancheMedian brutto
Steuerfachangestellte, FachkraftDeutschlandWirtschaftliche Dienstleistungen3.627 €
Steuerfachangestellte, FachkraftDeutschlandProduzierendes Gewerbe4.621 € (rund 520 Beschäftigte)
Steuerfachangestellte, FachkraftBayernalle Branchen3.795 €
Steuerfachangestellte, FachkraftMünchenalle Branchen4.664 €
Buchhaltung, SpezialistenBayernWirtschaftliche Dienstleistungen4.402 €
Buchhaltung, SpezialistenBayernProduzierendes Gewerbe5.078 €

Der Industriewert für Steuerfachangestellte beruht auf rund 520 Beschäftigten. Zum Vergleich enthält die Tabelle die Gruppe „Buchhaltung, Spezialisten“, zu der die Bundesagentur unter anderem Finanz-, Lohn- und Bilanzbuchhalter zählt. Ob ein Unterschied im Einzelfall bleibt, hängt von Tarifbindung, Arbeitszeit, Verantwortung und Weiterbildung ab. Die Münchner Werte im Einzelnen stehen im Beitrag Steuerfachangestellte Gehalt in München.

Wie unterscheiden sich die Weiterbildungswege?

Die Fortbildungen für Kanzleiberufe prüfen die Steuerberaterkammern, den Bilanzbuchhalter prüft die IHK. Die Steuerberaterkammer München nennt den Steuerfachwirt als Fortbildung nach drei Jahren Berufstätigkeit. Für den Fachassistenten Lohn und Gehalt verlangt sie zwei Jahre Tätigkeit im Steuer- und Rechnungswesen mit mindestens 16 Wochenstunden, und zwar bei einem Steuerberater oder einer vergleichbaren Stelle. Wer in die Industrie wechselt, sollte vorher klären, ob diese Zeit anerkannt wird.

Der Bilanzbuchhalter wird bundesweit einheitlich vor der IHK geprüft. Zugelassen wird laut Bundesagentur in der Regel, wer eine dreijährige kaufmännische Ausbildung und mindestens ein Jahr Berufspraxis hat. Er passt gut zu Stellen im Rechnungswesen eines Unternehmens. Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Abschlüsse deutlich. Der Steuerfachwirt umfasst laut Bundesagentur Abgabenordnung, Ertragsteuern, Umsatzsteuer, Erbschaft- und Schenkungsteuer, Buchführung, Betriebswirtschaft, Wirtschaftsrecht und Kanzleiorganisation. Der Bilanzbuchhalter umfasst Abschlüsse nach Rechnungslegungsvorschriften einschließlich internationaler Standards nach IFRS, die Auswertung von Jahresabschlüssen, Finanzmanagement, Kosten- und Leistungsrechnung und die steuerliche Darstellung betrieblicher Sachverhalte. Für den Weg im Unternehmen in Richtung Konzernabschluss oder Controlling passen diese Inhalte. Für steuerliche Arbeit ist der Steuerfachwirt die naheliegende Fortbildung. Ein Mittelweg ist der Fachassistent Rechnungswesen und Controlling, den die Steuerberaterkammer München ebenfalls prüft. Was den Bilanzbuchhalter vom Steuerfachwirt im Einzelnen unterscheidet, steht im Beitrag Bilanzbuchhalter oder Steuerfachwirt.

Für den späteren Weg zum Steuerberater zählt praktische Tätigkeit nach § 36 StBerG nur, wenn sie sich auf Steuern erstreckt, die von Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwaltet werden, und mindestens 16 Wochenstunden umfasst. Nach einer kaufmännischen Ausbildung sind acht Jahre Praxis nötig, mit bestandener Prüfung als Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter sechs Jahre. Ob eine Stelle in der Industrie zählt, hängt also vom steuerlichen Anteil der Aufgaben ab. Im Zweifel entscheidet die Steuerberaterkammer im Zulassungsverfahren.

Steuerfachangestellte oder Industriekauffrau?

Beide Ausbildungen dauern drei Jahre, sie bereiten aber auf verschiedene Arbeitsfelder vor. Steuerfachangestellte lernen in einer Kanzlei das Steuer- und Rechnungswesen in der Tiefe. Industriekaufleute lernen in einem Unternehmen die betrieblichen Abläufe in der Breite, von Einkauf über Vertrieb und Logistik bis zu Personal und kaufmännischer Steuerung.

SteuerfachangestellteIndustriekaufleute
Dauer3 Jahre3 Jahre
AusbildungsbetriebKanzleien von Steuerberatern, WirtschaftsprüfernUnternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche
PrüfungSteuerberaterkammerIHK
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung vom 03.08.2022Ausbildungsverordnung vom 12.03.2024
SchwerpunkteBuchführung, Entgeltabrechnung, Abschlüsse, SteuererklärungenLeistungserstellung, Beschaffung, Marketing und Vertrieb, Personal, Controlling
Vergütung in Bayern1.300 bis 1.400 € im ersten, 1.400 bis 1.500 € im dritten Jahr (Empfehlung der Steuerberaterkammer, Stand August 2023)1.303 € im ersten, 1.444 € im dritten Jahr (Beispiel Metall- und Elektroindustrie, WSI-Tarifarchiv, Stand April 2026)

Beim späteren Gehalt weist der Entgeltatlas für die Berufsgruppe kaufmännische Betriebswirtschaft, zu der die Bundesagentur Industriekaufleute zählt, in Bayern einen Median von 4.870 Euro aus. Die Gruppe ist sehr breit und reicht vom Einkauf bis zur Projektsteuerung, der Wert taugt daher nur als grobe Orientierung.

Wie Sie sich entscheiden

  1. Schreiben Sie auf, ob Sie lieber viele verschiedene Fälle oder ein Unternehmen über Jahre betreuen möchten.
  2. Prüfen Sie Ihr Fortbildungsziel. Steuerfachwirt und Fachassistent setzen Praxis im Steuer- und Rechnungswesen voraus, der Steuerberater steuerliche Praxis.
  3. Vergleichen Sie Angebote über Jahresbrutto, Wochenstunden, Urlaub und Zuschüsse.
  4. Fragen Sie im Gespräch, welche Aufgaben die Stelle in zwei Jahren hat.

Wenn Sie noch vor der Berufswahl stehen, finden Sie im Beitrag Ausbildung Steuerfachangestellte in München Dauer, Berufsschule und Verkürzung.

Arbeiten bei Dietrich, Süß & Jaschke

Dietrich, Süß & Jaschke ist eine Steuerberater-PartGmbB in München mit drei Steuerberatern als Partnern. Wir betreuen Freiberufler, Handwerks-, Produktions-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen sowie Privatpersonen und arbeiten als DATEV-Kanzlei mit Unternehmen online und Arbeitnehmer online. Steuerfachangestellte (m/w/d) betreuen bei uns Mandate in Lohn- und Finanzbuchführung und erstellen Jahresabschlüsse, bei flexiblen Arbeitszeiten und Zuschüssen zu Altersvorsorge, Fahrtkosten und Kindergarten. Aufgaben und Anforderungen stehen in der Ausschreibung Steuerfachangestellte (m/w/d).

Häufige Fragen

Verdienen Steuerfachangestellte in der Industrie mehr?

Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit (Stichtag 31.12.2025) lag der Median für Steuerfachangestellte bundesweit im produzierenden Gewerbe bei 4.621 Euro brutto, in den wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen Kanzleien zählen, bei 3.627 Euro. Die Industriezahl beruht auf rund 520 Beschäftigten und vergleicht nicht dieselben Aufgaben.

Können Steuerfachangestellte in der Industrie arbeiten?

Ja. Die Bundesagentur für Arbeit nennt neben Kanzleien Fachabteilungen größerer Unternehmen, etwa Personalabrechnung, Buchhaltung oder Rechnungswesen, als Arbeitsfeld.

Steuerfachangestellte oder Industriekauffrau: was ist der Unterschied?

Beide Ausbildungen dauern drei Jahre. Steuerfachangestellte lernen in Kanzleien Buchführung, Lohn und Steuererklärungen und legen die Prüfung bei der Steuerberaterkammer ab; Industriekaufleute lernen in Unternehmen Einkauf, Vertrieb, Logistik, Personal und Rechnungswesen und legen die Prüfung bei der IHK ab.

Zählt die Arbeit in der Industrie für die Steuerberaterprüfung?

Nur soweit sie sich auf Steuern erstreckt, die von Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwaltet werden, und mindestens 16 Wochenstunden umfasst. So steht es in § 36 Abs. 3 StBerG.

Quellen

  1. 1. BERUFENET: Steuerfachangestellte/r · Bundesagentur für Arbeit · Stand Oktober 2026
  2. 2. BERUFENET: Industriekaufmann/-frau · Bundesagentur für Arbeit · Stand Oktober 2026
  3. 3. BERUFENET: Bilanzbuchhalter/in, Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung · Bundesagentur für Arbeit · Stand Oktober 2026
  4. 4. Entgeltatlas: Steuerfachangestellte (KldB 72302), Buchhaltung Spezialisten (KldB 72213), kaufmännische Betriebswirtschaft (KldB 71302), Daten zum 31.12.2025 · Bundesagentur für Arbeit · Stand Oktober 2026
  5. 5. § 36 StBerG, Voraussetzungen für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  6. 6. § 149 AO, Abgabe der Steuererklärungen · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  7. 7. § 18 UStG, Besteuerungsverfahren · Bundesministerium der Justiz · Stand Oktober 2026
  8. 8. Steuerfachangestellte / Auszubildende · Steuerberaterkammer München · Stand Oktober 2026
  9. 9. BERUFENET: Fachwirt/in Steuer · Bundesagentur für Arbeit · Stand Oktober 2026
  10. 10. Fachassistenten · Steuerberaterkammer München · Stand Oktober 2026
  11. 11. Fachassistent Lohn und Gehalt · Steuerberaterkammer München · Stand Oktober 2026
Verfasst von Dietrich, Süß & Jaschke · Stand 12. Oktober 2026

Der Beitrag gibt den allgemeinen Rechtsstand zum angegebenen Datum wieder und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Er ist ein Beispieltext für die Demo-Website und wurde von der Kanzlei noch nicht freigegeben.